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Umzug ins Pflegeheim: So gelingt er in 5 Schritten


Bild: Oliver Berg/dpa/dpa-tmn

Mal kommt sie schleichend, mal wie ein Schlag: Die Erkenntnis, dass ein pflegebedürftiger Elternteil in seinem Zuhause nicht mehr richtig aufgehoben ist. Ein passendes Pflegeheim finden und den Umzug dorthin zu organisieren, ist ein großes Projekt.

Hier kommt eine Schritt-für-Schritt-Anleitung mit den Tipps dreier Pflegeexpertinnen. 

Schritt 1: Den richtigen Zeitpunkt erkennen 

Wann ein Umzug ins Pflegeheim sinnvoll ist, lässt sich nicht pauschal sagen. «Aber es gibt Anhaltspunkte: Ist die Versorgung zu Hause nicht bedarfsgerecht und sicher organisiert? Leidet die Gesundheit der pflegebedürftigen Person oder auch die des Angehörigen aufgrund der Pflegesituation?», zählt Daniela Sulmann auf. Sie ist Geschäftsleiterin und Pflegeexpertin vom Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP).

Wichtiges Signal sind wiederkehrende kritische Situationen wie Stürze, ungeplante Krankenhauseinweisungen oder eine mangelnde Inkontinenzversorgung. Ebenso soziale Isolation. «Entscheidend ist das Gesamtbild, nicht ein einzelnes Ereignis», sagt Daniela Sulmann. 

Im besten Fall haben Familien schon frühzeitig über einen eventuellen Heimumzug gesprochen und Klarheit über Wünsche und finanzielle Möglichkeiten geschaffen. Gar nicht so selten kommt von der pflegebedürftigen Person aber Widerstand - eine schwierige Situation für Familien. Daniela Sulmann sagt: «Offenheit und gegenseitiges Verständnis sowie eine sachliche Analyse sind dann wichtig.»

Übrigens: «Von Rechts wegen zählt einzig die Willensentscheidung des Betroffenen», sagt Ulrike Kempchen, Rechtsexpertin vom BIVA-Pflegeschutzbund. «Der Befehl "Papa, Du musst ins Heim!" reicht nicht.» 

Kann der Betroffene die Entscheidung nicht mehr selbst treffen, bedarf es eines Bevollmächtigten oder Betreuers. «Dazu wird entschieden, was wichtiger ist: Selbstbestimmtheit oder Versorgungssicherheit.» Vorsorglich könne der Betroffene eine Vorsorge- oder Generalvollmacht ausstellen mit seinem bindenden Willen, rät Ulrike Kempchen. 

Schritt 2: Eine passende Einrichtung finden 

Die Entscheidung für einen Umzug ins Pflegeheim ist gefallen. Doch welche Einrichtung soll es werden? «Die Besichtigung mehrerer Heime ist das oberste Gebot», sagt Ramona Dilk, Pflegeberaterin beim Pflegestützpunkt Lichtenberg in Berlin. So könne man vergleichen.

Manche Heime haben Spezialisierungen, etwa für die Pflege von Menschen mit Demenz. Ansonsten geht es Ramona Dilk zufolge aber viel um subjektive Eindrücke: Passt die Lage? Hat das Heim einen Garten, in dem man nett sitzen kann? Gefallen die Zimmer? Wirkt die Einrichtung sauber und gepflegt? Was für Freizeitangebote gibt es? Was für einen Eindruck macht das Personal? Wie ist die Lage - gibt es ein nettes Café in der Nähe? 

 «Es sollte das Gefühl der Stimmigkeit aufkommen, schließlich wird man dort seine letzte Lebenszeit verbringen», sagt Ramona Dilk. Apropos: Gut zu wissen ist auch, wie die Sterbebegleitung später aussieht. 

Manche Pflegeheime führen übrigens Wartelisten - es klappt womöglich nicht direkt mit einem Platz. Einige Einrichtungen bieten auch ein Probewohnen an. 

Schritt 3: Den Umzug organisieren 

Ist der Vertrag mit dem Heim geschlossen, haben laut Ulrike Kempchen beide Seiten Rechte und Pflichten. Der Bewohner muss das Entgelt bezahlen und gegebenenfalls - und rechtzeitig - Anträge beim Sozialhilfeträger stellen, wenn die Kosten nicht aus eigener Tasche zu stemmen sind. «Zahlen muss man von Beginn an, einziehen nicht. Das Heim muss aber den Platz freihalten.»

Um den Organisationsaufwand vor dem Umzug möglichst gering zu halten, kann man laut Ramona Dilk im Pflegeheim um Unterstützung bitten. Dort könnten Anträge abgenommen, ein Umzugs- und Fahrservice organisiert werden. 

Auch auf Angehörige kommt einiges an Arbeit zu: Verträge müssen gekündigt werden, Ummeldungen sind notwendig, oft auch ein großes Aussortieren. Um den Überblick zu behalten, hilft eine To-do-Liste. 

Schritt 4: Das Ankommen mental bewältigen

Der Tag des Einzugs und die Eingewöhnungsphase können zur Belastungsprobe werden - für die pflegebedürftige Person selbst, aber auch für ihre Liebsten. Ramona Dilk rät Angehörigen in dieser sensiblen Phase zu regelmäßigen Besuchen: «Bringen Sie den Lieblingskuchen mit. Und fragen Sie Ihren Angehörigen, was er sich wünscht.»

Gerade in der ersten Zeit plagen Angehörige oft Selbstvorwürfe à la «War das die richtige Entscheidung? Wie konnte ich meine Mutter in ein Heim geben?». Daniela Sulmann rät, diese Schuldgefühle in Verantwortung für sich selbst und den Angehörigen umzuwandeln. «Dabei hilft das Gefühl, eine notwendige Entscheidung getroffen zu haben und zu sehen, wenn es beiden Seiten letztlich besser geht.»

Schritt 5: In Kontakt bleiben - und die Augen offen halten

Auch über die Eingewöhnungsphase hinaus sollten Angehörige weiter präsent bleiben, so Ramona Dilk. Regelmäßige Anrufe und Besuche seien wünschenswert. «Aber es sollte mit dem eigenen Privat- und Berufsleben vereinbar sein.» 

Besuche helfen nicht nur dabei, in Verbindung zu bleiben, sondern auch, um die Qualität der Versorgung im Blick zu behalten. Ist der Vater rasiert? Liegt Omas Zahnprothese im Mund und nicht im Badezimmer? «All das erfährt man nicht bei Anrufen», sagt Ramona Dilk. Auch der Pflegebericht sollte einsehbar sein. Beim Verdacht auf nicht ausreichende Pflege empfiehlt die Expertin, das Gespräch mit der Stationsleitung zu suchen.


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(21.10.2026)